Microsoft hat mit NLWeb eine Protokollspezifikation vorgestellt, die das Web grundlegend verändern könnte. Die Idee: Websites stellen ihre Inhalte und Funktionen nicht mehr über grafische Oberflächen bereit, sondern über natürlichsprachliche Schnittstellen. Nutzer interagieren nicht mehr durch Klicken und Tippen, sondern durch Sprechen und Schreiben – und KI-Agenten handeln in ihrem Auftrag. Was wie eine natürliche Evolution des Webs klingt, wirft fundamentale Fragen über Kontrolle und Wertschöpfung auf.
Das agentische Web
In der NLWeb-Vision navigieren KI-Agenten autonom durch das Internet: Sie vergleichen Preise, buchen Reisen, füllen Formulare aus und aggregieren Informationen – alles im Auftrag des Nutzers. Websites werden zu APIs, die von Agenten konsumiert werden, statt von Menschen besucht. Das verspricht Effizienzgewinne, verändert aber die Dynamik des Webs fundamental. Werbefinanzierte Geschäftsmodelle, die auf menschliche Aufmerksamkeit setzen, funktionieren nicht mehr, wenn ein Agent die Interaktion übernimmt.
Strategische Interessen
Microsoft ist nicht zufällig der Treiber dieser Vision. Wer die Protokolle definiert, über die Agenten mit dem Web interagieren, kontrolliert einen zentralen Knotenpunkt der digitalen Wertschöpfung. In Kombination mit Bing, Copilot und Azure entsteht ein vertikal integriertes Ökosystem, in dem Microsoft sowohl die Agenten als auch die Infrastruktur kontrolliert. Offene Standards und interoperable Alternativen sind daher keine technische Feinheit, sondern eine Frage der digitalen Marktordnung.