Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland, Österreich und der Schweiz hängt im internationalen Vergleich deutlich zurück. Während Estland, Dänemark oder Israel längst vernetzte digitale Gesundheitssysteme betreiben, kämpft die DACH-Region noch mit grundlegenden Infrastrukturfragen. Die elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland zeigt exemplarisch, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist.
Das ePA-Dilemma
Die ePA sollte der Grundstein für eine datengetriebene Gesundheitsversorgung werden. Doch die Opt-out-Lösung, technische Komplexität und mangelnde Integration in bestehende Praxissysteme haben dazu geführt, dass die Nutzung weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ohne eine breite Datenbasis können KI-Anwendungen ihr Potenzial nicht entfalten – ein Teufelskreis, der die DACH-Region zunehmend von internationalen Entwicklungen abkoppelt.
Regulatorische Hürden und Chancen
Die strenge Datenschutzregulierung in der DACH-Region wird oft als Haupthindernis genannt. Tatsächlich ist es aber nicht der Datenschutz an sich, sondern seine fragmentierte Auslegung, die Innovation bremst. Während die DSGVO europäisch einheitlich ist, unterscheiden sich die gesundheitsspezifischen Regelungen zwischen den Ländern erheblich. Ein kohärenter regulatorischer Rahmen, der sowohl den Schutz der Patientendaten als auch die Nutzung für KI-gestützte Forschung und Versorgung ermöglicht, fehlt bislang.
Was jetzt passieren muss
Die DACH-Region muss ihre Datenschutzstärke als Qualitätsmerkmal positionieren statt als Bremse. Das gelingt durch klare Regeln für die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten, standardisierte Schnittstellen und gezielte Förderung von KI-Anwendungen, die unter hohen Datenschutzstandards funktionieren. Die Alternative ist eine zunehmende Abwanderung von Innovation und Talent in Länder mit pragmatischeren Rahmenbedingungen.